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Verhalten beim Vorstellungsgespräch

Verhalten beim Vorstellungsgespräch
Fragen beantworten
Viele Menschen gehen zuversichtlich und sehr gut vorbereitet in das Vorstellungsgespräch,
nachdem sie sich ausführlich mit unterschiedlichen Fragestellungen und
Antworten beschäftigt haben. Trotzdem wird ihnen eine unbequeme Frage gestellt
und das mühsam aufgebaute Selbstvertrauen schmilzt dahin wie eine leckere Kugel
Speiseeis im Hochsommer.
Mit dem Rücken zur Wand in einer Sackgasse zu stecken, ist ein äußerst unangenehmes
Gefühl. Dies lässt sich bisweilen nicht vermeiden, da es für die Menschen
unmöglich ist, auf alle Fragen eine passende Antwort zu haben. In diesem Augenblick
werden Sie danach beurteilt, wie souverän Sie mit der Situation umgehen und den
Weg zurück ins sichere Gefilde wiederfinden.
Im Vorstellungsgespräch erfolgreich agieren, heißt Fragen beantworten können. Damit
Sie die Chance aufrechterhalten, den Bewerbungsprozess zu bestehen, müssen
Sie diverse grundlegende Techniken und Strategien der Beantwortung beherrschen.
Sie werden im Rahmen eines typischen Vorstellungsgespräches mit drei Arten von
Fragen konfrontiert werden.
Fragentyp Nr. 1
„Weisen Sie die erforderlichen Kompetenzen auf?“
Fragentyp Nr. 2
„Brennen Sie auf die Herausforderungen?“
Fragentyp Nr. 3
„Können Sie gut mit anderen zusammenarbeiten und wie passen Sie zur Unternehmenskultur?“
Die gestellten Fragen können auf äußerst unterschiedliche Art und Weise formuliert
werden, aber die Grundintention kursiert stets um diese drei Kernformen.
Vergewissern Sie sich, dass Sie bindende und wirkungsvolle Antworten auf diese Fragen
parat haben. Dadurch werden Sie nicht von heiklen Fragen verunsichert und mit
einem, möglicherweise entscheidenden, Vorteil über die anderen Bewerber ins Rennen gehen. Zu wissen, was auf Sie zukommt, vereinfacht die Vorbereitung erheblich.
Anbei erhalten Sie die Anleitung, wie diese Kernfragen behandelt und Ihre Antworten
angepasst werden müssen, um die Fallstricke zu vermeiden. Den Fragentyp zweifelsfrei
zu identifizieren, ist bereits mit ein wenig Übung möglich.
Fragentyp Nr. 1
„Weisen Sie die erforderlichen Kompetenzen auf?“
Die Fragen dieser Kategorie zielen darauf ab, Ihre berufliche Erfahrung einer gründlichen
Prüfung zu unterziehen. Der Gesprächspartner versucht einzuschätzen, ob
Sie in der Vergangenheit unter vergleichbaren Bedingungen die Anforderungen der
Arbeitsstelle vollumfänglich erfüllt haben. Auf der Grundlage Ihrer vorgelegten Erfahrungen
und Errungenschaften wird der Arbeitgeber versuchen einzuschätzen,
inwiefern Sie die Voraussetzungen mitbringen, die für den ausgeschriebenen Posten
erforderlich sind.
Die unangenehmen, d. h. mehrdeutigen Fragen sollten Sie nicht verunsichern, denn
sie lassen sich ausnahmslos mit einfachen Aussagen beantworten. Beziehen Sie die
Antworten auf die eigenen Erfahrungen und schildern Sie die konkreten Fälle und
Umstände, mit denen Sie konfrontiert wurden. Festigen Sie Ihre Position mit unwiderlegbaren
Nachweisen.
Vermeiden Sie die unklaren und allgemeingültigen Aussagen wie:
– „Ich habe mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildung zusammengearbeitet.“
– „Ich habe bereits Teams von bis zu 10 Mitgliedern geleitet.“
– „Es war ein Vergnügen, für das Unternehmen X zu arbeiten.“
Diese Angaben stellen lediglich Verallgemeinerungen dar und bieten dem Gesprächspartner
weder Inhalt noch Beweise an. Vermeiden Sie den Eindruck, dass Sie sich in
der Kommunikation an die Floskeln klammern. Stattdessen sollten Sie konstatieren:
„Die Tatsache, dass ich mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildung zusammengearbeitet
habe, half mir entscheidend dabei, die kommunikativen Fähigkeiten
zu perfektionieren. Damit ist es mir möglich, die Teammitglieder zu Höchstleistungen
anzuregen. Mir ist bestens bekannt, wie unterschiedliche Menschen motiviert werden
müssen, um die Anforderungen zeit- und sachgerecht und in hoher Qualität zu erledigen.“
Spüren Sie den Unterschied? Ist diese Formulierung nicht eine mächtige Botschaft?
Versuchen Sie wie der Fragesteller zu denken und versetzen Sie sich in die Rolle
des Arbeitgebers hinein. Bevor Sie antworten, fragen Sie sich erst: „Was meine ich
damit?“ Denn genau diese Frage wird Ihnen der Interviewer auch stellen, falls Sie die
Ausgangsfrage nicht konkret genug beantworten.
Um dies zu vermeiden, sprechen Sie die Vorteile, die Sie auszeichnen, und die Handlungsweisen,
die sich in konkreten Gegebenheiten bewährt haben, offensiv an.
Fragentyp Nr. 2
„Brennen Sie auf die Herausforderungen?“
Die Fragen, die unter diese Kategorie fallen, sondieren Ihren Motivationsgrad und
helfen dem Arbeitgeber, Ihre positiven und negativen Charaktereigenschaften nachzuvollziehen.
Daraus erhoffen sich die Gesprächspartner profunde und gesicherte Erkenntnisse
über die Herangehensweise, die Sie im neuen Umfeld anwenden werden und letztlich
darüber, ob Sie den Anforderungen der Stelle gewachsen sind. Die Perspektive
ist umso besser, je positiver Ihre Einstellung zur Arbeitsaufgabe eingeschätzt wird.
Ihr Wille, mit Entschlossenheit und Begeisterung anzupacken, wird auf den Prüfstein
gestellt.
In den letzten Jahren haben sich die unabdingbaren Anforderungen an den Stelleninhaber
von der akademischen Qualifikation und der Berufserfahrung kontinuierlich zu
der Sozialkompetenz und den Persönlichkeitsmerkmalen verschoben. Diese Faktoren
heben den Einzelnen aus der Gruppe der Bewerber hervor, die über vergleichbare
fachliche Voraussetzungen verfügen.
Der Arbeitgeber stellt die Fragen, um die persönlichen Eigenschaften zu erkennen,
die Sie charakterisieren. Das Unternehmen schenkt Ihnen Vertrauen, das stets ein
zweischneidiges Schwert ist: Es kann verteidigen und es kann verletzen. Sie müssen
mit Ihrer Persönlichkeit, Tatendrang und Engagement diesen Vertrauensvorschuss
rechtfertigen.
Die erforderliche Entschlossenheit und den Leistungswillen können Sie geschickt in
den Antworten verpacken. Der Gesprächspartner wird dadurch deutlich spüren, dass
Sie überaus motiviert sind und ernsthaftes Interesse daran haben, den Beitrag zur
Unternehmensentwicklung zu leisten.
Betrachten Sie die nachfolgenden Stellungnahmen:
„Ich bin hoch motiviert und stets bestrebt, die Aufgaben zielbezogen zu erledigen.“
„Gelegentlich müssen die vereinbarten Vorgehensweisen überdacht und neu festgelegt
werden. Diese Flexibilität lege ich immer dann an den Tag, wenn es erforderlich
ist, die Aufgabe zeit- und fachgerecht zu erledigen.“
„Bisher hatte ich nur zwei Arbeitgeber, bei denen ich jeweils acht Jahre lang beschäftigt
war. Den Arbeitsplatzwechsel ziehe ich nur dann in Erwägung, wenn das Angebot
perfekt zu mir und zu meiner Lebensplanung passt. Bei der angebotenen Arbeitsstelle
ist dies aus meiner Sicht der Fall.“
Ein weiterer Gedankenanstoß:
„Wie kann ich erfolgreich die Bereitschaft demonstrieren, die Arbeit gewissenhaft,
effektiv und effizient zu erledigen?“
Fragentyp Nr. 3
„Können Sie gut mit anderen zusammenarbeiten und wie passen Sie zur Unternehmenskultur?“
Basierend auf Ihren Antworten formt sich dem Gesprächspartner allmählich ein
rundes Bild vor seinem geistigen Auge: Wie werden Sie in das Unternehmensgefüge
integriert, um langfristig einen produktiven Beitrag im Unternehmen leisten zu können?
Die Antworten sind das einzige verfügbare Mittel, um Ihre Fähigkeiten und die
ausgeprägten Einstellungen und Persönlichkeitseigenschaften einzuschätzen, die für
die Anforderungen des Arbeitsplatzes von Bedeutung sind.
Aber nicht ausschließlich das voraussichtliche Arbeitsergebnis muss berücksichtigt
werden, sondern auch übergeordnet Ihr unmittelbarer Beitrag zur Unternehmenskultur.
Jedes Unternehmen weist eine besondere interne Kultur auf, die u. a. aus der
einzigartigen Zielausrichtung, der Wertestruktur und den Grundsätzen der Zusammenarbeit
entsteht. Bereits im Vorstellungsgespräch wird darüber das endgültige
Urteil gefällt, ob Sie in diesem Komplex einen wertvollen Beitrag leisten werden.
Manche Arbeitgeber pflegen den offenen und ungezwungenen Umgang im täglichen
Miteinander, während andere großen Wert auf die Seriosität legen. Ob Sie den Zuschlag
erhalten, entscheidet in erster Linie der Gesamteindruck, den Sie im Vorstellungsgespräch
vermitteln. Dieser Eindruck wird der Wunschvorstellung des Unternehmens
gegenübergestellt und gründlich analysiert.
Das ist das häufig bittere Ergebnis eines Vorstellungsgespräches. Sie können perfekt
qualifiziert sein, die nachweisbaren beruflichen Erfolge vorlegen und eine makellose,
professionelle Einstellung aufweisen, aber falls der Arbeitgeber daran zweifelt, dass
Sie bestens in das Teamgefüge und zum Unternehmen passen, ist es unwahrscheinlich,
dass Sie den Zuschlag erhalten werden.
Wodurch wird dieser Zweifel genährt? Die Gesprächspartner und die auswertende
Kommission können zum Entschluss gelangen, Sie wären ein Außenseiter, der nicht
erfolgreich ins Teamgefüge integriert werden kann. Diese Einschätzung ist natürlich
subjektiv und sicherlich nicht immer richtig. Sie basiert aber auf dem vermittelten Eindruck,
für den Sie selbst verantwortlich sind.
In diesem Fall müssen Sie sich keine Vorwürfe machen. Möglicherweise ist die Organisation
geprägt durch einen ungezwungenen und kumpelhaften Umgang und Sie
würden mir Ihrer seriösen Professionalität negativ auffallen. Im Gegensatz dazu ist es
durchaus denkbar, dass Sie eine äußerst extrovertierte und initiative Persönlichkeit
sind, aber das Unternehmen ein biederes und konservatives Gesamtbild abgibt.
Beide Konstellationen stellen keinen Glücksfall für Sie oder das Unternehmen dar.
Die Arbeitgeber kennen die Organisation bestens und können sehr wohl die Wunschvorstellung
eines neuen Mitarbeiters definieren. Im Bewerbungsprozess werden die
Kandidaten insbesondere nach den Abweichungen von der Unternehmensnorm und
dem daraus folgenden Konfliktpotenzial bewertet. Wie bereits festgestellt, ist der Bewerbungsprozess
viel zu langwierig und teuer, um sich große Patzer bei der Auswahl
zu erlauben. Im Zweifelsfall wird der Kandidat eher abgelehnt, bevor das Risiko eines
teuren Irrtums eingegangen wird.
Bevor Sie die Bewerbungsunterlagen einreichen, ist es daher ratsam, das Image des
Unternehmens kennenzulernen, um zu entscheiden, ob das Unternehmen förderlich
für Ihre zukünftigen Pläne ist. Stellen Sie im Vorfeld fest, dass die Organisation nicht
das verspricht, was Sie sich erhoffen, können Sie sich viel Ärger und Enttäuschung
ersparen.
Vorteile aufzeigen
Dass es von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Bewerbung ist, eigene
Vorzüge wie besondere Fähigkeiten und Berufserfahrungen dem potenziellen Arbeitgeber
im Vorstellungsgespräch deutlich aufzuzeigen, steht außer Frage.
Wie Sie wahrgenommen werden, ein bestimmtes Image artikulieren und dadurch einen
Gesamteindruck beim Gesprächspartner erzeugen, ist der Schlüssel zum Erfolg.
Manche Vorteile Ihrer Erfahrungen sind nicht immer auf Anhieb sichtbar, aber wenn
Sie sich ernsthaft mit der Frage „Was steckt dahinter, was meine ich damit?“ beschäftigen,
kristallisieren sich die Vorzüge beinahe umgehend heraus.
Sie müssen sich die Frage stellen: „Welchen Vorteil beziehe ich daraus?“
Genau diese Frage wird sich der Gesprächsleiter während der Konversation stellen.
Wechseln Sie gedanklich die Seiten und stellen Sie sich die Faktoren vor, die dem
Arbeitgeber zusagen könnten. Beantworten Sie die Fragen, bevor sie gestellt werden!
Überlegen Sie bestimmte Sätze, die alle Vorteile Ihrer Kenntnisse und Erfahrungen
abrunden. Platzieren Sie diese Sätze am Ende Ihrer Ausführungen:
– Was darin resultiert, dass …
– Was bedeutet, dass …
– Die Vorteile waren …
– Der Nutzen ergab sich aus …
– Wir haben erreicht, dass …
– Das Endergebnis war, das s…
Nächste Schritte
Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie das Vorstellungsgespräch bestens vorbereitet
absolvieren und bereit sein, dem zukünftigen Arbeitgeber Ihre Bewerbung als
ein Gesamtpaket anzubieten, das er sich in der Wunschvorstellung erhofft hat!
Der Termin für das Vorstellungsgespräch ist fixiert, vor Ort im Unternehmen, für das
Sie sehr gerne tätig sein möchten. Die ausgeschriebene Stelle passt perfekt zu Ihnen,
auf diese Chance haben Sie lange gewartet und darauf hingearbeitet. Nun müssen
Sie nur noch den Arbeitgeber überzeugen!
Bedenken Sie aber, dass es für den Erfolg nicht ausreicht, auf alle erdenklichen Fragen
vorbereitet zu sein. Viele kleine Faktoren, die Sie nicht vernachlässigen dürfen,
bestimmen die Erfolgschancen.
Die nachfolgenden Hinweise werden Ihnen dabei helfen, Ihre Errungenschaften,
Fähigkeiten und Talente in einer Form zu präsentieren, die perfekt zu dieser einmaligen
Chance passt. Sie werden entscheidend sein, unabhängig davon, ob Ihre Berufserfahrung
vollumfänglich den Anforderungen der Arbeitsstelle entspricht oder Sie
lang und hart darauf hingearbeitet haben, den nächsten Karriereschritt zu wagen. Sie
entfalten die maximale Wirkung im Vorstellungsgespräch und verbessern die Erfolgsaussichten
deutlich.
Über das Unternehmen recherchieren
Vor dem Vorstellungsgespräch sollten Sie möglichst viel über das Unternehmen in
Erfahrung bringen. Ihre erste Anlaufstelle ist die Internetpräsenz. Auf der Homepage
finden Sie die relevanten Angaben über die Unternehmensgeschichte und -werte, die
Firmenvision und die Hinweise über die vorherrschende Kultur. Wie hat sich das Unternehmen
entwickelt und wie positioniert sich die Organisation in der Zukunft? Sich
im Vorfeld eingehend mit dem eigenen Beitrag zur Zielerreichung auseinanderzusetzen,
signalisiert Interesse und Leistungsbereitschaft.
Die angebotene Stelle analysieren
Was können Sie über die angebotene Stelle im Vorfeld erfahren?
– Warum ist sie unbesetzt? Ist ein Ersatz erforderlich oder wird die Stelle neu geschaffen?
– Welche Verantwortung bietet die Funktion?
– Wie sind die Berichtswege organisiert? An wen berichtet der Stelleninhaber? Wer
berichtet an den Stelleninhaber?
Berücksichtigen Sie im Anschluss Ihre Karrierepläne: Wo möchten Sie in fünf Jahren
sein? Dann stellen Sie sich die kritische Frage: „Ist diese Stelle ein Schritt in die
richtige Richtung?“
Selbst wenn es ein Schritt seitwärts oder gar zurück sein sollte, sorgen Sie unbedingt
dafür, dass die Veränderung Ihnen weiterhilft, die persönlichen beruflichen Ziele zu
erreichen.
Kontakt einschätzen
Ist es der Vorgesetzte, an den der zukünftige Stelleninhaber berichten wird?
Welche Funktion im Unternehmen bekleiden die Gesprächsteilnehmer?
Wer entscheidet über die Stellenbesetzung im Bewerbungsprozess?
Stärken zusammenfassen
Vervollständigen Sie die Aufgabenstellung, die in den früheren Abschnitten dieses
Buches vorgestellt wurde.
Sie kennen zwar Ihre Stärken und können einschätzen, dass dies die Funktion ist, für
die Sie perfekt geeignet sind. Wie machen Sie es aber dem potenziellen Arbeitgeber
deutlich?
Fassen Sie Ihre wichtigsten Stärken (Fähigkeiten, Qualifikationen, Talente) zusammen. Verpassen Sie nicht, die besonderen persönlichen Charaktereigenschaften
zu erwähnen. Die Unternehmensvertreter werden Ihnen dankbar sein, da sie einen
besseren Eindruck davon bekommen können, ob Sie zu der ausgeschriebenen Stelle,
zur Abteilung oder zum Unternehmen passen.
Sind Sie ein wertvolles und produktives Teammitglied, dann teilen Sie es auch mit.
Haben Sie ausgezeichnete Bewertungen erhalten (z. B. bei einer internen Befragung
oder Kompetenzbeurteilung), dann legen Sie die Ergebnisse vor. Das Vorstellungsgespräch
ist nicht der richtige Augenblick, um bescheiden zu sein.
Schwächen sind „Handlungsfelder“
Die unliebsamste aller Fragen ist vermutlich diejenige, mir der sich kaum jemand
gerne beschäftigt:
„Nennen Sie uns Ihre Schwächen/Defizite.“
Manchmal wird aus taktvoller Rücksichtnahme diese Frage positiv umformuliert:
„Wenn Sie nach Fähigkeiten oder Talenten gefragt wären, von deren Verbesserung
Sie nach der eigenen oder der Meinung Ihrer Vertrauenspersonen profitieren würden,
was würden Sie antworten?“
Diese Worte gehen unter die Haut, aber verlieren Sie nicht gleich das Selbstvertrauen,
wenn Sie urplötzlich vor der desillusionierenden Frage stehen: „Bisher haben Sie
gezeigt, dass Sie ein Superman sind, aber was macht Sie zum Menschen?“
Viele Arbeitgeber möchten bereits im Vorstellungsgespräch erkennen, wie Sie mit Situationen
umgehen, die Ihnen unangenehm sind. Darum werden Sie (sanft, da verbal)
unter Druck gesetzt. Ihre Reaktion auf den Stress, der durch die innere Ablehnung
dieser Frage entsteht, wird beobachtet. Bleiben Sie gelassen und lassen Sie sich
nicht aus der Ruhe bringen. Damit zeigen Sie, dass Sie auch in schwierigen Situationen
die Haltung bewahren können und auch zu persönlichen Schwächen ein gesundes
Verhältnis pflegen. Schließlich sind sie ein natürlicher Teil Ihrer Persönlichkeit
und „Handlungsfelder“, die Ihrem beruflichen Erfolg und der charakterlichen Formung
zugutekommen werden.
Eine wirkungsvolle Methode, mit dieser Fragestellung umzugehen, lautet:
„Decken Sie das Negative mit dem Positiven ab.“
Das kann eine sehr gute Strategie sein, solange Sie Ihre Schwäche nicht mit einem in
dieser einmaligen Konstellation negativ konnotierten Merkmal zu kaschieren versuchen, wie beispielsweise festzustellen: „Ich bin übermäßig eigenständig.“ Dies kann
als „Ich mache alles auf eigene Faust“ interpretiert werden. In einem Unternehmen, in
dem der Teamgedanke die oberste Priorität genießt, kann dies ein Warnhinweis sein,
auf Ihre Dienste zu verzichten.
Darum ist es zwingend erforderlich, dass Sie sich mit der ausgeschriebenen Stelle,
der Unternehmenskultur sowie den Unternehmenszielen im Vorfeld auseinandersetzen,
um die Warnhinweise frühzeitig zu identifizieren.
Schwächen positiv verkaufen
Die Frage nach den Defiziten und dem Optimierungspotenzial soll unbequem sein
und Sie drastisch aus dem Konzept bringen. Offen gesagt, das Gegenteil ist der Fall
und diese Frage ist wohl das Beste, was Ihnen im Vorstellungsgespräch passieren
kann. Dies stimmt natürlich nur, wenn Sie die entsprechende Technik beherrschen
und die Ruhe besitzen, sie auch anzuwenden. In diesem Augenblick können Sie
zeigen, was in Ihnen steckt und den Gesprächspartner sehr beeindrucken. Mit der
entsprechenden Vorgehensweise werden Sie die vermeintliche Schwäche in einen
massiven Pluspunkt verwandeln. Wählen Sie aber eine falsche Antwort, werden Ihre
Aussichten auf die Traumanstellung erheblich sinken.
Einen positiven Eindruck aus dieser Frage zu erzeugen, mag anfänglich recht schwierig
erscheinen. Die Antwort „Ich habe/kenne keine Schwächen“ ist verlockend, aber
leider unrealistisch und damit ausgeschlossen. Dieser Aussage schenkt niemand Vertrauen.
Bereiten Sie im Vorfeld zwei Beispieldefizite vor, die Sie vorstellen möchten.
Angenommen, Sie sind bisweilen zu impulsiv und ungeduldig zu Ihren Mitmenschen.
Filtern Sie aber das Positive aus dem scheinbaren Nachteil!
Die Frage nach den verbesserungswürdigen Aspekten beantworten Sie dann wie
folgt:
„Als ein ergebnisorientierter Mensch trage ich die Verantwortung dafür, dass die Arbeit
rechzeitig und in bestmöglicher Qualität erledigt wird. Dabei ist es möglich, dass
ich ungeduldig und unzufrieden werde, wenn der Fortschritt nicht meinen Vorstellungen
entspricht. Dessen bin ich mir aber bewusst und arbeite daran, etwas weniger
unnachgiebig und perfektionistisch zu sein.“
Die Ungeduld, ein für die konfliktfreie und effektive Zusammenarbeit erhebliches
Kompetenzdefizit, wirkt in diesem Kontext beinahe sympathisch und zweifelsohne
menschlich. Damit haben Sie exakt das erreicht, was Sie sich vorgenommen haben:
Aus einem Nachteil ist ein Vorteil geworden. Üben Sie diese Argumentationskunst
und Sie werden erstaunt sein, wie mühelos Sie diese Frage in allen Variationen meistern
werden.
Beachten Sie die Argumentationsstruktur:
– Das Positive hervorheben: „Ich bin sehr …“
– Mit einem Beispiel belegen: „Da ich unbedingt darauf achte, …“
– Das Negative platzieren: „Was bedeutet, dass ich gelegentlich dazu neige, …“
– Positive Zukunftsaussicht: „Dessen bin ich mir bewusst und ich achte darauf, …“
Die Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung!
Sie sollten mindestens zwei Defizite in petto haben und stets bereit sein, darauf angesprochen
zu werden. Aber es bedeutet nicht, dass Sie die beiden Aspekte unbedingt
erklären müssen. Beantworten Sie die Frage mit der ersten Schwäche und nehmen
Sie Stellung zu einer weiteren nur dann, wenn Sie danach gefragt werden. Erhöht
der Gesprächsleiter den Druck und verlangt, dass Sie ein weiteres „Handlungsfeld“
aufdecken, können Sie anfügen, dass Sie eine auffällige Schwäche aufweisen: Sie
arbeiten zu hart!
„Ich bin außerordentlich engagiert und gebe immer alles, da ich keine halben Sachen
mag. Was ich anpacke, ziehe ich konsequent durch. Dies hat jedoch zur Folge, dass
mir aufgrund der durch die vielen Arbeitsstunden verursachten Müdigkeit Konzentrationsfehler
unterlaufen. Aus bester Absicht erzeuge ich eine gehörige Portion von
vermeidbarem Stress. „Gut gemeint“ ist bekanntlich das Gegenteil von „gut“, und
deswegen müsste ich den Druck vom Gaspedal bisweilen wegnehmen. Die Intensität
verringern und häufiger innehalten, würde mir guttun. Es ist aber leichter gesagt als
getan!“
Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie die Aussagen ernst meinen und zu dem Gesagten
stehen. Die professionellen Personalverantwortlichen haben in der Regel eine
gute Menschenkenntnis und ein fein ausgeprägtes Gespür für die Aufrichtigkeit der
Äußerungen.
Schreiben Sie zu Übungszwecken drei Ihrer verbesserungswürdigen Eigenschaften
auf und verwandeln Sie diese in positive Antworten, wie Sie es in obigen Beispielen
kennengelernt haben.
Sprachrhythmus
Die korrekten Antworten zu formulieren, ist nur die Hälfte des Erfolges. Sorgen Sie
dafür, dass der Gesprächspartner auch versteht, was Sie ausdrücken möchten.
Lassen Sie Ihr Gegenüber nicht rätseln oder nachfragen. Sie wollen nicht, dass alle
Beteiligten erleichtert sind, dass das Gespräch vorüber ist, in dem die Kommunikation
nie richtig funktioniert hat.
Halten Sie den Sprachrhythmus und die Stimmmodulation in der Form, dass Sie zu
jedem Zeitpunkt deutlich und klar, für alle Anwesenden angenehm hörbar sprechen.
Dafür hat sich eine Strategie bestens bewährt: das Tempo und den Sprachrhythmus
des Gesprächsleiters nachzuahmen. Sind Sie ein notorischer Schnellsprecher und Ihr
Gesprächspartner jemand, der um jedes Wort ringt, dann sollten Sie die Geschwindigkeit
der Aussprache spürbar drosseln und umgekehrt. Diese einfache Technik ist
außerordentlich förderlich für die Kommunikation und die dabei vermittelten Inhalte.
Wenn Ihnen eine Frage gestellt wurde und Sie haben sie nicht gehört oder verstanden
oder Sie benötigen etwas Bedenkzeit, zögern Sie nicht, eine kurze Denkpause
einzulegen. Sie können höflich bitten, die Frage zu wiederholen oder umzuformulieren.
Werden Sie gebeten, ein bestimmtes Beispiel anzugeben oder den Nachweis für eine
Behauptung zu erbringen, dann bitten Sie um eine kurze Pause, um die Gedanken zu
ordnen, bevor Sie zu der Anfrage Stellung nehmen. Es ist weitaus besser, nachdenklich
zu erscheinen, statt unsicher und überhastet den erstbesten Gedanken zu einem
keineswegs überzeugenden Beispiel zu formen.
Die Vorbereitung auf diese sprachlichen und taktischen Feinheiten ist eine langwierige
und detailverliebte Aufgabe. Setzen Sie die Empfehlungen um und Sie werden
über die mächtige Wirkung Ihres Auftrittes erstaunt sein. Versetzen Sie sich hierfür
in die Rolle des Gesprächsleiters und versuchen Sie nachzuvollziehen, was Sie vom
Bewerber erfahren möchten.
Sich treu bleiben und dabei jeden Satz mit Überzeugung vorzutragen, ist der Schlüssel
zum Erfolg. Alles kann gelernt werden, nur die ehrliche, ursprüngliche Begeisterung
nicht. Haben Sie diese Begeisterung für den angebotenen Posten nicht, wird der
Funke nicht überspringen. Selbst dann nicht, wenn Sie den Zuschlag erhalten.
Der erste Eindruck
Die ausführlich dargestellte Vorbereitung wird Ihnen äußerst nützlich sein. Verpassen
Sie es, dem eigenen Erscheinungsbild ausreichend Beachtung zu schenken, werden
Sie sich vermutlich um die Früchte Ihrer Arbeit bringen.
Der erste Eindruck, den Sie hinterlassen, wenn Sie den Raum betreten und den bisher
unbekannten Menschen die Hand geben, wird zum großen Teil darüber entscheiden,
ob Sie das ultimative Ziel erreichen werden. Für die vorteilhafte Wahrnehmung
sind das gepflegte äußere Erscheinungsbild, die zum Anlass passende Kleidung, die
gewählten Umgangsformen und die selbstbewusste Körpersprache förderlich.
Kleider machen Leute
Während des Vorstellungsgespräches werden nicht nur der Inhalt (Fähigkeiten, Erfahrung,
Persönlichkeit), sondern auch die Form, Ihr Auftritt und das Erscheinungsbild
genauestens unter die Lupe genommen.
Wie sich ein Mensch kleidet, lässt auf den ersten Blick darauf schließen, wie er gesehen
werden möchte. Im Vorstellungsgespräch wird nur diejenige Bewerbung erfolgreich
sein, die alle Aspekte der Psychologie zum eigenen Vorteil einzusetzen versteht.
Vergessen Sie nicht, dass Sie im Wettbewerb mit vielen Kandidaten stehen.
Ein sportlich angezogener Bewerber könnte als unverantwortlich oder zu lässig im
Umgang mit den Herausforderungen der Arbeitsstelle eingeschätzt werden. Ein
elegant angezogener Kandidat suggeriert Kompetenz und Selbstdisziplin. Wer sich
selbst organisieren kann, kann auch andere organisieren!
Bedenken Sie, dass Sie nach dem ersten Eindruck „in eine Schublade“ gesteckt
werden, aus dem es kaum ein Entkommen gibt. Viele Bewerber setzen auf die
bewährte Kleidung, die sie zu allen feierlichen Anlässen tragen, aber für das Vorstellungsgespräch
müssen Sie jedes Detail berücksichtigen – der Gesprächsleiter wird
Sie unnachgiebig von Kopf bis Fuß „scannen“. Wer mit dem ansprechenden Äußeren
punkten kann, hat womöglich bereits zu Beginn einen uneinholbaren Vorsprung.
Ein guter Eindruck auf den Arbeitgeber wird Sie beflügeln und Ihr Selbstvertrauen
stärken. Sie werden gelöst agieren und damit souverän und authentisch wirken. Sie
sehen gut aus und Sie fühlen sich gut! Überlassen Sie nichts dem Zufall – das Vorstellungsgespräch
ist kein Glücksspiel!
Folgende Tipps werden Ihnen die Qual der Wahl erleichtern:
Recherchieren Sie, ob das Unternehmen eine verbindliche Kleiderordnung implementiert
hat. Versuchen Sie herauszufinden, ob eine Dienstkleidung, speziell für die
ausgeschriebene Stelle, verbindlich vorgeschrieben ist. Falls ja, nutzen Sie diese Information,
um Ihr Äußeres an das vorgegebene Ideal anzupassen. Unterdrücken Sie
in diesem Fall den Wunsch, Ihre Individualität zu zelebrieren. Gehen Sie kein Risiko
ein. Der Arbeitgeber rekrutiert die besten Teammitglieder, die das große Zahnrad der
Organisation am Laufen halten.
Selbst dann, wenn Sie in Erfahrung bringen, dass die vorherrschende Kleiderordnung
sportlich-leger ist, keine Krawatten vorsieht und die Jeans toleriert, sollten Sie sich
eher in Zurückhaltung üben und keine Experimente wagen.
Ziehen Sie nur die Kleider an, die Sie bereits getragen haben, die Ihnen nachweislich
passen und in denen Sie sich gut und zuversichtlich fühlen. Sorgen Sie dafür, dass
alle Kleidungsstücke sauber, ordentlich gepflegt und gebügelt sind.
Überprüfen Sie Ihre Kleidung mit einem feinzahnigen Kamm, spätestens einige Tage
vor dem Vorstellungsgespräch. Bessern Sie die sichtbaren Tragespuren aus, nähen
Sie die fehlenden Knöpfe an und probieren Sie die Einzelteile an. Lassen Sie sich
nicht zu viel Zeit, bis Sie diese Aufgaben erledigt haben: Unter Druck passieren Fehler,
die sehr weh tun, aber in Ruhe mit minimalem Aufwand hätten verhindert werden
können.
Körpersprache
Die Körpersprache spielt eine wichtige Rolle im Vorstellungsgespräch, als ein wesentlicher
Aspekt der nonverbalen Konversation. Der Inhalt Ihrer Aussagen muss mit der
Gestik und Mimik im Zusammenhang stehen, ansonsten wirken diese körperlichen
Signale bestenfalls befremdlich und schlimmstenfalls lächerlich.
Werden Sie nach den Stärken gefragt und Sie äußern, dass Sie eine selbstbewusste
Person sind, die bereit ist, allen Widrigkeiten zu trotzen, aber dies nicht verinnerlicht
haben, wird Sie die Körpersprache verraten. Sie sollten diese Situationen unbedingt
vermeiden. Sagen Sie nur etwas, was Sie glaubwürdig verkörpern können. Die nonverbale
Konversation und die Zeichensprache haben einen unmittelbaren Einfluss auf
die anwesenden Gesprächspartner. Sie entscheiden im Unterbewusstsein über die
Erfolgschancen der Bewerbung.
Erfahrene Gesprächsleiter können die innere Verfassung und die Denkweise der
Kandidaten richtig deuten, selbst dann, wenn sie überhaupt nicht auf das Gesprochene
achten. Sie merken instinktiv, dass etwas nicht stimmt, wenn sich der Bewerber
verstellt und versucht, die Wahrheit üppig auszuschmücken. Sie beobachten das
Geschehen und insbesondere Ihre Körpersprache und nehmen die Hinweise wahr,
die eine geistig vorgefertigte Vermutung stützen. Meinen Sie wirklich das, was Sie
sagen? Sind Sie ehrlich zu sich selbst und zu anderen? In welcher Gemütsverfassung
befinden Sie sich?
Für einen guten Eindruck ist es unerlässlich, Ihrem Gegenüber bzw. demjenigen
Menschen, an den Sie sich wenden, in die Augen zu schauen und diesen Kontakt
unbedingt zu halten. Die herrschende Meinung deutet den Mangel an Sichtkontakt als
ein Zeichen der Schüchternheit, der Unsicherheit, des Desinteresses oder der Unfähigkeit,
die Wahrheit auszusprechen.
Kein Signal ist eindeutig nachvollziehbar und deswegen ist jede Einschätzung mit
Vorsicht zu genießen. So kann das auffällige Schwitzen u. a. auf die Unsicherheit
des Bewerbers oder auf die hohe Konzentration und starke innere Anspannung oder
sogar auf eine Schilddrüsenüberfunktion schließen lassen.
Beachten Sie aber die beliebteste Interpretation: Wer sich an der Nase reibt oder
beim Sprechen die Hand vor den Mund hält, lügt oder verheimlicht etwas! Vermeiden
Sie die subjektiven Fehldeutungen, indem Sie eine einfache Regel befolgen: Während
des gesamten Vorstellungsgespräches sollten Ihre Hände den Kopf nicht berühren
– die Tabuzone beginnt ab der Schulterhöhe. Lenken Sie die Aufmerksamkeit der
Gesprächspartner nicht von Ihren Worten ab und bleiben Sie stoisch ruhig: Nicht Sie
haben etwas zu verlieren, sondern der Arbeitgeber läuft Gefahr, einen tollen Mitarbeiter
zu verlieren!
Körpersignale
Anbei erhalten Sie eine Auflistung der Körpersignale, die Ihnen helfen werden, einen
bestimmten Eindruck bei Gesprächspartnern zu wecken. Sorgen Sie dafür, dass Sie
die einzelnen Facetten der Körpersprache diszipliniert einstudieren und zielsicher
einsetzen.
Damit Sie als offen- und warmherzig gelten:
• Beim Lachen den Mund öffnen,
• die Hände öffnen und die Handflächen zeigen,
• beim Sitzen den Mantel aufknöpfen.
Damit Sie selbstbewusst wirken:
• Den Augenkontakt behalten,
• den Kopf aufrecht halten,
• beim Reden mit den Händen (maßvoll) gestikulieren,
• immer die kürzesten Wege wählen und aufrecht gehen,
• die Hände mit festem Händedruck schütteln.
Damit Sie nicht als ein Nervenbündel negativ auffallen:
• Zappeln Sie nicht!
• Kein inhaltsloses Gerede.
• Vermeiden Sie die Redundanzen bzw. Wiederholungen jeglicher Art.
• Kein Husten oder Gähnen!
• Das Gesicht oder die Haare nicht berühren!
• Die Füße bewegen und Daumen drehen.
Damit Sie nicht in die defensive Rechtfertigungsposition geraten, vermeiden Sie:
• Ihre Arme zu verschränken,
• das Haupt zu senken,
• eine „enge“ und ausdruckslose Körpersprache,
• mit den Augen zu rollen,
• beim Sprechen das Gesicht zu berühren,
• die Stirn zu runzeln,
• zu grinsen, ohne die Zähne zu zeigen.
Entspannung und Bestätigung vor dem Vorstellungsgespräch
Entspannen Sie sich vor dem Vorstellungsgespräch. Sie haben sich tage-, vielleicht
sogar wochenlang auf den Termin vorbereitet und Ihr Kopf quillt von Informationen
über.
Wenn Sie bis zum letzten Augenblick unter Strom stehen und in dieser Verfassung
ins Rennen gehen, setzen Sie sich einer enormen Belastung aus. Ihr Körper und Ihr
Geist sind gestresst und könnten gegen diese Tortur leicht rebellieren. Sie benötigen
zwingend die geistige und körperliche Frische!
Die Entspannung im Vorfeld des Gespräches ist ein weiterer Garant zum erfolgreichen
Verlauf. Diese Ruhe vor dem Sturm muss als eine absolute Notwendigkeit
erfasst und eingeplant werden. Der menschliche Körper ist für die Bewegung bestimmt
genauso wie der Verstand für das Denken, aber beide funktionieren wesentlich
effektiver, wenn sie gelegentlich in den Genuss einer Ruhepause kommen und die
Auslastung vorübergehend massiv reduziert wird.
Was bedeutet Entspannung?
Die Entspannung ist eine individuelle Angelegenheit. Alle Aktivitäten, die einem
Menschen dabei helfen, die Gedanken von den Sorgen und Ängsten des Lebens
abzulenken und neue Kraft zu schöpfen, können als Entspannung aufgefasst werden.
Ein Buch zu lesen oder ein Musikinstrument zu spielen, gehören genauso dazu wie
mit Freunden zu telefonieren, zu stricken oder in allen erdenklichen Varianten Sport
zu treiben.
In der Entspannung übernimmt das Unterbewusstsein das Kommando und verarbeitet,
wie im Schlaf, die bewusst wahrgenommenen Eindrücke, die krampfhaft festgehalten
werden. Die Entspannung ist das Loslassen dieser Erfahrungen in den sicheren
Hafen des Unterbewusstseins.
Bekannt ist das Phänomen, dass Zeit wie im Fluge vergeht, wenn sich der Mensch in
einen Zustand der vollkommenen Konzentration und Fokussierung auf eine bestimmte
Tätigkeit versetzt. In diesem Zustand, der von betäubender Glückseligkeit geprägt ist,
löst sich das Zeitgefühl auf und damit auch alle Erwartungshaltungen, positive wie
negative. Die Entspannung ist zeitlos.
In Verbindung mit der Technik der (Selbst-)Bestätigung kann die Entspannung durch
den Aufbau eines positiven Selbstbildes das Selbstvertrauen steigern. Die Visualisierung
ist ein wirkungsvolles Instrument, um die Technik der Affirmation (Selbstbejahung)
zu erlernen und damit ein positives Selbstbild zu entwickeln.
Legen Sie sich auf den Rücken in einer ruhigen Umgebung. Im Hintergrund können
Sie beruhigende Klänge abspielen, die der Stille etwas Würze verleihen. Schließen
Sie die Augen und belassen Sie den Verstand zunächst im wohligen Leerlauf.
Im deutlich entspannten Zustand entwerfen Sie das Bild vor dem geistigen Auge, in
dem Sie vor Selbstvertrauen strotzen und unerschütterlich an sich und an den Erfolg
glauben. Halten Sie die ausschweifenden Gedanken nicht zurück und machen Sie die
Vorstellung so groß, glänzend und kühn wie nur denkbar möglich.
Versuchen Sie, einen Film ablaufen zu lassen. Sie nehmen die Geräuschkulisse und
die gelassene, freundliche Umgebung wahr sowie die sanfte Brise auf der Haut. Achten
Sie auf das Gefühl, das aus dieser Zuversicht und dem Glauben an die eigenen
Fähigkeiten entsteht. Dieses Gefühl, eine starke Emotion, füllt alle Teile Ihres Körpers
aus und Sie tauchen darin vertrauensvoll ab.
Bereits nach dieser kleinen Übung werden Sie sich wesentlich besser fühlen. Gestatten
Sie die Affirmation, d. h. die Verankerung von den Elementen Ihrer Traumvorstellung,
beispielsweise dem Aussehen, der Sprache und den Gefühlen in Ihrem
Verstand. Die sich herauskristallisierenden Gedanken stellen positive Überzeugungen
dar:
– „Ich bin eine starke, anziehende und gelassene Frau.“
– „Ich bin ein verständnisvoller und entschlossener Leiter.“
– „Ich bin ein erfolgreicher Mensch.“
– „Ich bin wortgewandt und überzeugend beim Vorstellungsgespräch.“
Wiederholen Sie diese Überzeugungen: Sprechen Sie es laut heraus oder nur gedanklich
in aller Stille. Danach atmen Sie einige Male tief durch, öffnen Sie die Augen
und strecken Sie sich aus vorm Aufstehen. Bitte langsam aufstehen!
Sie sind nun entspannt, gelassen und geistig vollkommen erfrischt, wie ausgewechselt.
Das Selbstvertrauen lädt Sie mit Energie auf und sorgt für Tatendrang: Sie wollen
anpacken und wollen zeigen, was in Ihnen steckt.
Nehmen Sie sich täglich einige Minuten Zeit, um sich zu beruhigen und zu entspannen.
Lassen Sie den Film immer wieder vor dem geistigen Auge ablaufen. Konzentrieren Sie sich auf die positiven, bejahenden Gedanken und lassen Sie die dabei
entstehenden Gefühle ungestört wirken. Tragen Sie gedanklich das positive Selbstwertgefühl
in jeden Knochen und jeden Muskel Ihres Körpers.
In der Phase der Entspannung von Körper und Seele lassen Sie den Film ablaufen
und tragen Sie die bejahenden Aussagen immer wieder vor. Sie appellieren ununterbrochen
an Ihren Geist, der diese Autosuggestion verinnerlicht und ein erheblich
gesteigertes Selbstvertrauen zurückspiegelt. Sie sind gut, weil Sie glauben, dass Sie
gut sind!
Bald werden Sie merken, dass Sie anders auftreten: Sie halten die aufrechte Körperhaltung
ein, Sie sprechen die Sachverhalte und die Problemstellungen unumwunden
an. Diese zunächst winzigen Veränderungen summieren sich im Zeitverlauf und
entwickeln sich zu charakterprägenden Verhaltensweisen. Sie sind ein entspannter
und selbstsicherer Mensch geworden, ausgestattet mit einem gesunden positiven
Selbstbild. Vergessen Sie nicht: Optimismus macht die Türen auf, Pessimismus lässt
sie geschlossen.
Beliebte Vorstellungsgesprächsfragen
Im Vorstellungsgespräch werden neben ganz spezifischen, meistens fachlichen
Fragen auch sehr viele Standardfragen gestellt. Mit diesen Standardfragen sollten Sie
sich im Vorfeld eingehend beschäftigen und die Antworten gemäß Ihren persönlichen
Präferenzen vorbereiten.
Achten Sie aber darauf, dass Sie die große Menge an Informationen nicht verwirrt
und überfordert. Sie werden nicht alle Formulierungen behalten können, aber es
ergibt dennoch keinen Sinn, krampfhaft zu versuchen, alle Details und Variationen
beizubehalten, nur um später die obsoleten Inhalte aus dem Gedächtnis zu streichen.
Die hier aufgeführten Fragen decken über 95% der Standardthemen ab, mit denen
Sie im Vorstellungsgespräch konfrontiert werden. Zu wissen, dass Sie auf beinahe
alle Eventualitäten vorbereitet sind, wird Ihr Selbstvertrauen stärken und die Erfolgsaussichten
deutlich verbessern.
Fragen:
1. Erzählen Sie mir mehr über Ihre Person.
2. Warum möchten Sie diese Arbeitsstelle antreten?
3. Warum haben Sie sich auf die ausgeschriebene Arbeitsstelle beworben?
4. Was erwarten Sie vom neuen Arbeitsplatz?
5. Welche Stärken zeichnen Sie aus?
6. Nennen Sie mir Ihre Schwächen/Defizite.
7. Worin sind Sie besser als der Durchschnitt?
8. Worin sind Sie schlechter als der Durchschnitt?
9. Was für ein Persönlichkeitstyp sind Sie?
10. Was ist Ihnen über uns bekannt?
11. Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsalltag?
12. Was für eine Führungspersönlichkeit sind Sie?
13. Was interessiert Sie am meisten im Beruf?
14. Welche Eigenschaften muss ein neues Mitglied in Ihrem Team aufweisen?
15. Welche Interessen haben Sie?
16. Was machen Sie gerne, wenn Sie nicht beruflich eingespannt sind?
17. Womit beschäftigen Sie sich gerne in Ihrer Freizeit?
18. Aus welchem Grund möchten Sie Ihren aktuellen Arbeitsplatz verlassen?
19. Was motiviert Sie besonders?
20. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Womit setzen Sie sich beruflich auseinander?
21. Welche Zielsetzung verfolgen Sie? Wonach streben Sie?
22. Wie gut ist Ihre Teamfähigkeit ausgeprägt?
23. Wie gehen Sie mit schwierigen Menschen um?
24. Wie gehen Sie mit Konfliktsituationen um?
25. Wie agieren Sie unter Stress und in Extremsituationen?
26. Wie gehen Sie im Allgemeinen mit einer gestellten Aufgabe um?
27. Warum eignen Sie sich für diese Funktion besonders?
28. Welche Rolle spielen Sie im Team?
29. Wie hat sich Ihre Rolle nach sechs Monaten entwickelt?
30. Auf welcher Position sehen Sie sich im Unternehmen nach zwei bis drei Jahren?
31. Wie hoch ist die Jahresvergütung, die Sie für angemessen halten?
32. Woraus besteht das Gesamtpaket, nach dem Sie suchen?
33. Beschreiben Sie Ihre berufliche Laufbahn.
34. Ziehen Sie die Arbeit im Team oder die Arbeit auf eigene Faust vor?
35. Auf wie viele andere offene Stellen haben Sie sich zuletzt beworben?
36. Welche Weiterbildungs- und Schulungsmaßnahmen haben Sie absolviert?
37. Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter zu Höchstleistungen?
38. Haben Sie Fragen an uns?
Fragen stellen
Im Verlauf des Vorstellungsgespräches werden Sie in der Regel die Gelegenheit
erhalten, selbst Fragen zu stellen, die in Zusammenhang mit der ausgeschriebenen
Stelle und dem Unternehmen stehen.
Nutzen Sie diese Chance, um Ihre perfekte Eignung erneut unter Beweis zu stellen.
Halten Sie die wohlüberlegten Fragen im Geiste stets abrufbereit. Vermutlich werden
Sie erst zum Ende des Vorstellungsgespräches hin die Möglichkeit erhalten, weitere
Werbung in eigener Sache zu betreiben.
Stellen Sie die Fragen auch dann, wenn Sie nicht explizit aufgefordert werden, es zu
tun. Die Gesprächspartner zielen in erster Linie darauf ab, Ihr Interesse am Unternehmen
bzw. am Arbeitsplatz und an Ihrem Wechselwillen abzufragen.
Achten Sie darauf, welche Fragen Sie in welcher Form stellen. Anstatt schlicht zu
hinterfragen: „Mit wie vielen Mitarbeitern werde ich im Team arbeiten?“, stellen Sie
zunächst eine überzeugende These auf, bevor Sie die eigentliche Frage aufwerfen.
Frage => „Haben Sie Fragen an uns?“
Antwort => „Als ein Teamplayer schätze ich die Bedeutung der Teamleistung als
enorm ein und möchte daher wissen, mit wie vielen Mitarbeitern ich im Team zusammenarbeiten
werde.“
Diese Antwort wirkt wesentlich überzeugender, da Sie eine plausible Erklärung für
Ihr Interesse mitliefern. Sie können auf zusätzliche Fähigkeiten, besondere Stärken,
Kenntnisse oder Erfahrungen verweisen, die Sie im bisherigen Gespräch nicht zur
Geltung bringen konnten.
Verwenden Sie diese vorteilhafte Struktur:
„Als ein ………………… (hoch motivierter Mitarbeiter) möchte ich gerne erfahren ………“
oder
„In der Vergangenheit habe ich immer (eine bestimmte Aufgabe) abgewickelt……….
Wie sehen die Anforderungen (an diese Aufgabe) in der neuen Funktion aus…………“
Übung
Sie möchten einige wichtige Sachverhalte bereits im Vorstellungsgespräch klären.
Formulieren Sie die angegebenen Fragen gemäß der oben dargestellten Struktur.
Beispiel:
Frage => „Mit wie vielen Mitarbeitern werde ich im Team arbeiten?“
Umformuliert => „Als ein Teamplayer schätze ich die Bedeutung der Teamleistung als
enorm ein und möchte daher wissen, mit wie vielen Mitarbeitern ich im Team zusammenarbeiten
werde.“
Frage => „Mit wie viel Verantwortung werde ich ausgestattet?“
Umformuliert =>
Frage => „Welche Aufstiegsmöglichkeiten bietet die Funktion und wie groß sind die
Chancen auf eine Beförderung?“
Umformuliert =>
Frage => „Welche Weiterbildungs-/Schulungsmaßnahmen bieten Sie an?“
Umformuliert =>
Frage => „Wann fällt die Entscheidung im Auswahlprozess?“
Umformuliert =>